Weinstadt Rauenberg

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Eine Entdeckungsreise durch 700 Jahre Rauenberger Geschichte

Die älteste bildliche Darstellung Rauenbergs findet sich auf der Wildbannkarte von 1548, die im Generallandesarchiv Karlsruhe (GLA) lagert.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Rauenberg im Jahr 1303. Das Bild rechts zeigt eine der beiden Ausfertigungen der Urkunde (ebenfalls GLA).

Der Zufall der historischen Überlieferung hat es so gewollt, dass eine Urkunde aus dem Jahr 1303 das erste schriftliche Zeugnis von der Existenz Rauenbergs ist.

Archäologische Funde beweisen aber, dass Menschen schon viel früher am Fuße des Mannabergs siedelten: Es gibt Spuren aus der Urnenfelderzeit (1200 bis 850 vor Christus), aus keltischer und römischer Zeit.

Jüngste archäologische Grabungen haben zudem gezeigt, dass die mittelalterliche Besiedlung Rauenbergs mindestens bis ins 10. Jahrhundert zurückreicht.

Mittelalterliche Siedlungsgeschichte Rauenbergs

Stadtfest 700 Jahre Rauenberg
Stadtfest 700 Jahre Rauenberg

Diese mittelalterliche Siedlungsgeschichte Rauenbergs ist übrigens von einer Besonderheit gekennzeichnet.

Denn beiderseits des Waldangelbachs gab es bis etwa zum Jahr 1400 zwei Dörfer: Das eigentliche Rauenberg lag am Ostufer des Waldangelbachs.

Überragt wurde dieser Ort von einer Burg, an deren Existenz bis heute das Gewann "Burggraben" erinnert, obwohl die Feste wohl schon um das Jahr 1300 herum aufgegeben wurde.

Vielleicht, so vermuten Historiker, hat sie König Albrecht zerstört, als er im Jahr 1301 einen Kriegszug gegen den Pfalzgrafen Rudolf I. unternahm und dabei auch Wiesloch eroberte.

Auf dieses alte Rauenberg bezieht sich auch die Urkunde vom 9. August 1303, die davon berichtet, dass die beiden Herren Konrad und Engelhard von Weinsberg ihre Menschen, Güter und Rechte in dem Dorf "Ruchemberg" (in einer zweiten Ausfertigung der Urkunde heißt es "Ruhenberg") an eben den König Albrecht verkauft haben.

Am anderen, westlichen Ufer des Angelbachs lag dagegen der Ort Wedersweiler.

Seinen Namen hat er vermutlich von einem Ritter, der den Namen "Weder" oder "Wider" trug und wohl auf einem Adelshof residierte, an dessen Stelle sich heute das Landfriedsche Schloss befindet. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Wedersweiler im Jahr 1317.

Wie aber kam es nun, dass aus zwei Orten einer wurde und er den Namen Rauenberg weiterführte?

Die Historiker gehen heute davon aus, dass das alte Rauenberg östlich des Bachs um etwa 1400 aufgegeben und zur Wüstung wurde - so wie es damals häufig geschah, wohl als Folge der Pest, die seit 1348 wütete und die Bevölkerung Europas um etwa ein Drittel dezimierte.

Das Merkwürdige ist nun aber, dass Wedersweiler den Namen seines verlassenen Nachbarorts übernahm.

Schon 1411 ist in einer Urkunde von dem Ort "Wiederswilr daz man nenet Ruhenberg" die Rede. Den Grund vermuten Historiker darin, dass Rauenberg als einstiger Burgname damals einfach bekannter war.

Wie aus zwei Orten einer wurde

Zusammengelegt wurden auch die Gemarkungen beider Orte.

Das hatte Folgen für die Ortsherrschaft im neuen Rauenberg.

So hatte das Rittergeschlecht von Hirschhorn Besitzrechte in der alten, aufgegebenen Ortschaft, die auch weiterhin gültig blieben und alle Bauern betrafen, die Felder und Weinberge östlich des Angelbachs bewirtschafteten.

Die bestimmenden Herren in Rauenberg waren aber die Ritter von Dalheim, die ursprünglich aus dem Ort Talheim bei Heilbronn stammten.

Fast drei Jahrhunderte, von 1346 bis zu ihrem Aussterben 1630, hatten sie zwei Drittel der Ortsherrschaft in Rauenberg inne. Das restliche Drittel besaßen lange Zeit die Herren von Helmstätt, bis sie es im Jahr 1537 an das Hochstift Speyer verkauften.

Dem Bischof von Speyer hatten schon vorher Leibeigene und einzelne Besitztümer in Rauenberg gehört. Und sein Ziel war es, in Rauenberg nicht nur die geistliche, sondern auch die weltliche Herrschaft auszuüben. 1677 war es soweit.

Am Tag vor Heiligabend wurde die Kaufurkunde ausgefertigt, mit der das Hochstift Speyer endlich die restlichen zwei Drittel der Rauenberger Ortsherrschaft erwarb und so alle seine Einwohner zu Untertanen des Fürstbischofs machte.

Wie viele Einwohner Rauenberg damals gehabt hat? Allzu viele werden es nicht gewesen sein. Denn immer wieder hatten Unruhen und Kriege zu schlimmen Aderlässen geführt.

Aus dem Bauernkrieg von 1525 scheinen sich die Rauenberger noch weitgehend herausgehalten zu haben. Jedenfalls wurden sie wie auch die Dörfer Tairnbach und Rettigheim für ihre Treue zur Herrschaft ausdrücklich gelobt.

So steht es in einer Urkunde vom 27. Mai 1525, mit der die Unterwerfung der besiegten Bauernrebellen besiegelt wurde.

Was damals in Rauenberg anders war als in Malsch

Was war damals in Rauenberg anders als etwa in Malsch, das eine Keimzelle des Bauernaufstands war?

Eine größere Vorsicht oder ausgeprägter Untertanen-Gesinnung dürfte kaum der Grund gewesen sein, darin sind sich die Historiker einig.

Eine Erklärung sehen sie viel eher darin, dass Rauenberg zu jener Zeit noch ganz im Besitz der Ritter war, während sich der Aufstand des "Malscher Haufens" der Bauern vornehmlich gegen das Hochstift Speyer richtete.

Dagegen machte der niedere Adel nicht selten sogar gemeinsame Sache mit den Bauern, wie das Beispiel Hans von Dalheims zeigt.

Der Angehörige des Rauenberger Ortsadels wohnte damals im speyrerischen Rotenberg und schlug sich auf die Seite der Bauern, was er später mit Gefangennahme und Haft büßen musste.

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Weitere Informationen

Info

Eine unerschöpfliche Fundgrube für diesen Artikel war die soeben erschienene Rauenberger Orts-Chronik:
Konrad Dussel, Rauenberg, Aus mehr als 700 Jahren Geschichte, 448 Seiten, mit 267 zum Teil farbigen Abbildungen, Verlag Regionalkultur, Heidelberg/Ubstadt-Weiher/Basel, 2003.

Preis: 25,00 EUR.

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